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Willkommen zum Herbst-/Winter-Newsletter 2017 von GESUNDHEIT DURCH BEWEGUNG!

Warum werden Schmerzen bei manchen Menschen chronisch und bei anderen nicht? Warum wurde neulich bei Gruppenwanderungen des Vereins GESUNDHEIT DURCH BEWEGUNG die Einladung ausgesprochen schweigend zu gehen? Das, und auf welche Feldenkrais-Seminarangebote im ersten Halbjahr 2018 wir uns schon jetzt freuen dürfen, erfahrt Ihr in diesem Newsletter!

Viel Spaß beim Schmökern:

Chronische Rückenschmerzen

Warum werden bei einigen Menschen Rückenschmerzen chronisch und bei anderen nicht? Dieser Frage geht die norwegische Wissenschaftlerin und Gesundheitspsychologin Silje Endersen Reme nach. Bereits 2012 gab sie einen spannenden „TED talk“ unter dem Titel „Pain, is it all in your mind?“.

 

Rückenschmerzen sind ein großes, weit verbreitetes Problem, von dem vor allem in den Industriestaaten viele Menschen betroffen sind. Nur bei 10 bis 15 % spricht man von spezifischen Rückenschmerzen, bei denen organische Ursachen geortet werden können – wie etwa Bandscheibenvorfall, knöcherne Veränderungen, Krebs, … Beim großen Rest spricht man von unspezifischen Ursachen.

Doch aufgepasst: Ab und zu kann ein akuter Rückenschmerz jeden heimsuchen, welcher jedoch nach ein paar Tagen wieder verschwindet. Bei manchen Menschen aber leider nicht – bei ihnen werden die Schmerzen chronisch.

Silje Endersen Reme untersuchte 600 norwegische Arbeiterinnen und Arbeiter mit Rückenbeschwerden. Dabei fand sie heraus, dass Rückenprobleme oft nur ein Teil der Beschwerden des betroffenen Patienten sind! 99 % der Menschen haben zusätzlich noch weitere Beschwerden wie etwa Magen-Darmprobleme, Angst, Depressionen und viele andere mehr.

Auf die Frage Endersens , was ihr eigentliches Hauptproblem sei, bekam sie zur Antwort, dass nicht die Schmerzen im Rücken das Hauptproblem seien, sondern Faktoren wie Stress am Arbeitsplatz, soziale Ängste, finanzielle Sorgen, chronische Angst, Depressionen, Schlafprobleme, Einsamkeit usw.

In weiterer Folge stellte Endersen die Überlegung an, dass die Behandlung eines Menschen, der Rückenprobleme sowie ein Problem beispielsweise mit seinem Chef hat, anders aussehen muss als jene eines Menschen, der Rückenprobleme hat und unter Depressionen leidet.

Sie fragte nach den Faktoren, die am ehesten beschreiben, warum manche unter chronischen Rückenbeschwerden leiden und manche nicht. Das Ergebnis: Die stärksten Auswirkungen verursachen nicht anatomische oder biochemische Faktoren, sondern psychosoziale.

Weitere Untersuchungen an 500 Personen mit akuten Rückenproblemen und deren Entwicklung ergab eine Unterteilung in vier Gruppen:

  1. Menschen, die außer dem Rückenschmerz keine (bzw. kaum) weitere Beschwerden zeigten, hatten die beste Prognose – bei allen verschwanden die Schmerzen nach einer gewissen Zeit.
  2. Menschen mit Problemen in der Arbeitssituation, diese hatten ein mittleres Risiko, dass die Rückenschmerzen chronisch werden.
  3. Menschen, die in ihrer physischen Aktivität eingeschränkt waren, ebenfalls mit mittlerem Risiko.
  4. Menschen mit emotionalen Problemen – sie hatten die schlechteste Prognose: alle Probanden litten auch drei Monate nach der Ersterhebung an ihren Beschwerden.

Diese Resultate legen nahe, dass wir das Phänomen des Rückenschmerzes, aber auch des Schmerzes allgemeiner Natur, immer im Zusammenhang mit der gesamten Lebenssituation sehen sollten. Ferner wissen wir auch aus anderen Studien und Forschungen, dass die Wahrnehmung von Schmerz immer in Verbindung mit der Interpretation des Schmerzes stehen muss (vergl. Stich einer Wespe <-> Stich mit einer Stecknadel). Unser gesamtes Verständnis und unsere Glaubenssätze bezüglich des Schmerzes und dessen, was den Schmerz verursacht beziehungsweise was er für uns bedeutet, ist vielleicht wichtiger als wir annehmen! Wenn mir Schmerz und/oder dessen Ursache Angst und Schrecken einjagt, wenn es vielleicht verknüpft mit anderen Ängsten ist, sieht die Heilungschance anders aus, als wenn ich zuversichtlich und optimistisch bin.

Schmerz ist in unserem Gehirn verbunden mit dem Signal „hier ist ein Schaden“. Als Folge reagiert das gesamte Nervensystem automatisch mit einer Schutz- und Schonhaltung. Jetzt wissen wir aber, dass gerade bei Rückenbeschwerden in den meisten Fällen eine gewisse Mobilisierung und Aktivierung ausgesprochen hilfreich ist. Ist genau dieses Wissen nicht gegenwärtig, wird sich der Schmerzpatient – oft ganz unwillkürlich – in die Inaktivität begeben. Die Folge: Der „Schaden“ kann schwerer heilen, Schmerzen bleiben ungleich länger wahrnehmbar.

Aber Achtung: Einfach nur „happy thinking“ zaubert den Schmerz nicht weg – so leicht ist es leider nicht. Auf jeden Fall lohnt es sich aber, kognitive Ansätze in den therapeutischen Prozess miteinzubeziehen: Es gilt, die Umstände rund um den Schmerz (Interpretationen, Zuschreibungen, Aussichten, …) im Zusammenhang mit der gesamten Lebenssituation ebenfalls zu berücksichtigen. Diese Vorgehensweise erfordert interdisziplinäres Verständnis und eine ebensolche Zusammenarbeit.

Spannend zum Nachhören: TED talk (18 Minuten, englisch) https://www.youtube.com/watch?v=tiwmVTScusg&feature=youtu.be

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Die Kraft der Stille

Beim Feldenkraisseminar im Mai und beim Wandertag im Oktober wurden unsere Teilnehmer eingeladen, ein Stückchen im Schweigen zu gehen. Sinn der Sache ist, die Aufmerksamkeit auf das eigentliche Tun zu lenken, sowohl auf das Geschehen in einem Selbst, als auch die Sinne zu schärfen für die umgebende Natur. Diese Form der Meditation greift auf den Zen-Buddhismus zurück, in welchem die Praktizierenden anstreben, in jedem Moment präsent im Hier und Jetzt zu sein. Denn der gegenwärtige Augenblick ist immer alles was wir haben. Das Vergangene ist nicht mehr und die Zukunft noch nicht.

Still sitzen. Nichts tun.
Der Frühling kommt.
Das Gras wächst.

Zum Abschluss eine kurze Geschichte aus dem Zen-Buddhismus:

Der Schüler ging zum Meister und fragte ihn: „Wie kann ich mich von dem, was mich an die Vergangenheit heftet, lösen?“ Da stand der Meister auf, ging zu einem Baumstumpf, umklammerte diesen und jammerte: „Was kann ich tun, damit dieser Baum mich loslässt?“

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Alles Feldenkrais! Ausblick auf das erste Halbjahr 2018

Was: Ein-Tages-Kurs; Thema „Starker Rücken ganz entspannt“
Wann: 24. Februar 2018
Wo: Purkersdorf

Was: Workshop; Thema „Leichter Laufen“
Wann: 7. April 2018
Wo: Feldenkrais Institut Wien

Was: Feldenkrais Christi-Himmelfahrt-Seminar
Wann: Das Seminar beginnt 2018 am Donnerstag, dem 10. Mai 2018. Am Nachmittag wird es die optionale Gelegenheit einer Wanderung zur Burg Rappottenstein geben und am Abend starten wir dann mit Feldenkrais: Freitag, Samstag und Sonntagvormittag sind ganz den Feldenkrais-Einheiten gewidmet.
Wo: Sonnenhof in Rappottenstein.

Im Sommer gibt es noch einen weiteren Feldenkrais-Tagesworkshop in Purkersdorf, der Termin wird noch bekanntgegeben.

Weitere Informationen:
Feldenkrais Institut Wien
http://feldenkrais.bewegung.cc/gruppenunterricht.html?seminare

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Wir wünschen Euch einen schönen Herbst sowie einen guten Übergang in die stille Winterzeit – ideal, um sich ein wenig der Kraft der Stille hinzugeben!

Euer Team von GESUNDHEIT DURCH BEWEGUNG